Datenschutz AGBImpressum

Notizen eines BeginnersNotizen eines Beginners

Das Schild ist unübersehbar: “T.I.T. – Trans Inside Travel. Die Reise zu Dir selbst.” Bereits nur wenige Tage nach meiner Zusage stehe ich auf dem Flughafen von Kerkyra und warte, bis das Grüppchen der Neuankömmlinge sich gesammelt hat. Neugierig und kritisch eingestellt – versteht sich – aber doch auch etwas verschüchtert, trotte ich zum bereitstehenden Bus, der uns nach Agios Stefanos bringen soll.
Während der knapp einstündigen Fahrt habe ich reichlich Gelegenheit, mir noch mal auszumalen, was mich wohl erwarten wird. Die anderen Teilnehmer hängen noch einsilbig, ja schweigsam in den Sitzen. Kontaktsperre. Alle Befürchtungen bestätigt? Der Anstoß zu dieser “neuen Art von Urlaub” – neu für mich jedenfalls – kam überraschend, beinahe wie eine Einladung, die man nicht ausschlagen kann. Und er war verlockend:
“Komm mit in den Ouranos-Club nach Korfu – mach einmal Ferien meditativ & kreativ. Es gibt vegetarische Küche. Du kannst baden und wirst neue Erfahrungen machen …” Noch hatte ich keine Ahnung, nur Vorahnungen, obwohl mir einige Begriffe der esoterischen Welt zumindest bekannt waren: Kundalini, Schamanenrituale, Meditation, Fußreflexzonenmassage, Astrologie, Tarot, Herzmeditation…. Die heimliche Neugier war da – schon lange. Und jetzt waren es auch der Mut und die Gelegenheit.

Der Club befindet sich in der Nordwestecke der Insel Corfu in Griechenland; er besteht aus mehreren Häusern mit ca. 50 Zimmern. Oberhalb des Haupthauses befinden sich zwei Gruppenräume – Aktionsfläche. Flirtraum? Es soll auch Disco-Abende geben. Oder hatte ich da falsche Vorstellungen? Die Unterbringung erfolgt in Doppelzimmern, die auch einzeln buchbar sind, mit Appartementeinrichtung: Küche, Toilette und Bad.

Beim Empfangsfrühstück im Freien – die Mahlzeiten werden vorwiegend draußen serviert – die ersten Gespräche, das erste Abtasten. Tatsächlich, einige haben schon Gruppenerfahrung bzw. Einblick in die Esoterik. Spüre, wie sich der Magen etwas zusammenzieht. Doch ich habe ja meinen Ausweg: Es besteht keinerlei Verpflichtung, an den Übungen und Meditationen teilzunehmen; also “nur” baden, essen, lesen – auch das kann ein volles Programm abgeben.
Zum Meer sind es nur knapp 10 Minuten, es gibt ein paar Kneipen und Tavernen. Und in der nahen Umgebung bietet sich beschauliches griechisches Alltagsleben mit Schafen, Ziegen – oder was man dafür hält….

Beim Empfangsfrühstück im Freien – die Mahlzeiten werden vorwiegend draußen serviert – die ersten Gespräche, das erste Abtasten. Tatsächlich, einige haben schon Gruppenerfahrung bzw. Einblick in die Esoterik. Spüre, wie sich der Magen etwas zusammenzieht. Doch ich habe ja meinen Ausweg: Es besteht keinerlei Verpflichtung, an den Übungen und Meditationen teilzunehmen; also “nur” baden, essen, lesen – auch das kann ein volles Programm abgeben. Zum Meer sind es nur knapp 10 Minuten, es gibt ein paar Kneipen und Tavernen. Und in der nahen Umgebung bietet sich beschauliches griechisches Alltagsleben mit Schafen, Ziegen – oder was man dafür hält….

Es ist jedoch wie ein Sog, ein angenehmer Sog, dem man sich gerne überlässt. Die Lektüre bleibt in der Tasche. Die Augen und die Hände haben anderes zu tun. Am frühen Abend die Einführung in den Club, in das “offizielle” Programm. Die warme Luft, die untergehende Sonne, der Blick auf das glitzernde Meer. – Wir kommen in Stimmung.
Den Gästebetreuern gelingt es scheinbar mühelos, den meisten von uns sofort die Anspannung zu nehmen. Mit Tanz und einigen Bewusstseinsübungen bekommen wir bald Verbindung zueinander. Und meine Zweifel? Wollen wir nicht alle, die wir uns hier so zufällig getroffen haben, etwas von unseren Zweifeln nehmen lassen? Die so genannten Sachzwänge unseres Berufslebens – sind sie nicht Hirngespinste und Realität zugleich?

Die berufliche Zusammensetzung der Club-Besucher ist erstaunlich vielfältig: Theaterleiter, Redakteur, Manager, Krankenschwestern, Sozialpädagogen, Sachbearbeiter, Sekretärinnen, Aussteiger und Rentner. Ein Kaleidoskop der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Die Altersspanne reicht von 22 Jahren bis 70 Jahren. Auch die statistischen Werte in meinem Hinterkopf werden bestätigt. Zwei Drittel der esoterisch Interessierten sollen Frauen sein. Hier habe ich den unübersehbaren Beweis. Unter den Frauen selbst ist diese Tatsache ein häufiges Thema. Man konstatiert sie mit einem gewissen Bedauern. Keine harten feministischen Sprüche sind hier zu vernehmen. Man stellt sich dem Wunsch nach dem andersgearteten Pol. Was für ein Unterschied zum üblichen Krampf. Schon allein diese Erfahrung ist es wert, hierher zu kommen.

Die Nachmittage “zur Erholung” am Meer sind warm, frei und animierend. Abseits der üblichen Strände baden wir hüllenlos. Nach einigen Tagen taucht der Wunsch auf, mich etwas zurückzuziehen.

Der letzte Tag: Schlapp und widerwillig mache ich mich auf den Weg zum Flughafen. Der Wunsch, hier zu bleiben, ist gewaltig. Alle, oder zumindest die meisten, empfinden so. Kein Zwang, kein gesellschaftliches Beobachten hat die Teilnahme schwer gemacht. Die Betreuer haben die Newcomer mit viel Einfühlungsvermögen und sicher auch mit gekonnter Routine, in den Ablauf mit einbezogen. Neugier und Bereitschaft zur Teilnahme an den Übungen wurden so oft geweckt, die Unsicherheit vor dem nächsten Schritt genommen. Es gab keine ideologischen Debatten, man bekannte seine Zuneigung, aber auch seine Ablehnung. Die Zeit war zu schnell vergangen …
Dann der Abschied, das Auflösen der erst vor kurzem geknüpften Fäden. Umarmungen, Versprechen.
Ich spüre, wie reich ich war für dieses Erlebnis. – Es war ein notwendiger Schub, eine Ahnung bereits verschüttet geglaubter Energien.

Heinrich Bauregger

nächsten Bericht lesen >>>